Werdenfelser Segelflieger

Nordföhnfliegen in Nötsch mit dem Duo-Discus

Unser Mitglied Maria Schneider hat die Nordföhn Lage der vergangenen Woche genutzt und ist mit unserem Vereins Duo nach Nötsch zum Fliegen hinunter "gerast"! Dabei hat sie einen schönen Bericht mitgebracht:

Zum Nordföhn in Nötsch

"Am Montag Abend wurde in Unterwössen die Entscheidung getroffen, spontan zum Nordföhnfliegen nach Nötsch zu fahren. Jan Lyczywek (Streckenflugexperte und Fluglehrer aus Unterwössen) und ich (Maria) saßen vor dem Computer und schauten wegen eines Hinweises von Roland Henz (ebenfalls Streckenflieger in Unterwössen) alle Wettermodelle an. Nordwind war für die nächsten Tage reichlich vorhergesagt. Nur die unterschiedlich stark vorhergesagte Feuchte konnte ein Problem darstellen. Mittwoch und Donnerstag wollten wir einen Flugversuch wagen.

Am folgenden Tag organisierte Jan eine Unterkunft und rief am Flugplatz in Nötsch an, wo sofort ein Flugleiter und ein Schlepppilot für uns organisiert wurde. Ich holte unseren Vereins- Duo Discus
D-4488 aus Ohlstadt.

Dienstag Nachmittag in Unterwössen

 

Währenddessen wurde das Wetter auf der Alpennordseite ungemütlich. Als wir abends Richtung Süden aufbrachen, hatten wir sehr viel Glück, denn wir fuhren die ganze Strecke über den Alpenhauptkamm noch im Trockenen und hörten nur per Radio von dem schlimmen Unwetter. Dieses Unwetter auf der Alpennordseite treibt den Nordwind auf der Alpensüdseite an. So hat das Nordföhnfliegen noch den Vorteil, dass man dem schlechten Wetter entkommt und man auf der Alpennordseite garantiert kein fliegbares Wetter verpasst.

Mittwoch, 22.10.2014

Um halb acht rüsten wir den Duo Discus auf. Da es in der Nacht aber auch südlich des Alpenhauptkammes stark geregnet hat, ist der Flugplatz sehr nass und die Luftfeuchte sehr hoch, sodass uns die vielen tiefen Wolken ein ausgiebiges Frühstück ermöglichen.

Dienstag morgen in Nötsch vor dem Dobratsch
 

Die Wolken werden weniger und wir entscheiden uns zu starten. Beim Schlepppilot genügt ein Anruf und kurz darauf um Viertel nach zwölf sind wir in der Luft.

Beim Start ist es angenehm windstill, was mit einem ausgeprägten Kaltluftsee im Tal zu begründen ist. Doch als der F-Schlepp in 1500 m immer noch nicht turbulent ist, machen wir uns Gedanken, ob das heute der richtige Tag zum Fliegen ist. Östlich vom Wurzenpass klinken wir aus und das Vario gibt erst mal tiefe Töne von sich. Vielleicht ist doch die Westkomponente zu groß? Wir fliegen auf der Nordseite der Karawanken Richtung Osten los.  Ab dem Mittagskogel fängt es an am Hang zu steigen. Das LX 8000 im Duo gibt einen Wind zwischen 290 und 305 Grad mit knappen 30 Knoten an. Das bedeutet mehr Westwind als Nordwind und wir müssen im Hangflug an jeder Westrippe etwas Höhe machen, bevor wir uns die Bergkette entlang weitertasten. An der Petzen regnet es und so setzen wir unsere erste östliche Wende am Hochobir.

Leeseitige Kondensation an den Karawanken
 

Im Hang geht es die Strecke zurück an Nötsch vorbei ins Gailtal. Über SMS bekommen wir von Benjamin Bachmaier (Anmerkung: übrigens auch im D Kader, genauso wie Maria), der uns mit den neusten Wetterinformationen informiert, eine Nachricht. COSMO-DE (die Wellenvorhersagemodell von pcmet) rechnet 35 km westlich von Nötsch eine Welle. Wir suchen im Gailtal den Einstieg und bei Kilometer 37 finden wir den Einstieg in die Welle. Wir können auf gute 4000 m steigen und fliegen mit Benny´s hilfreichen Informationen die Wellen bis Sillian ab.

Ende des fliegbaren Wetterraumes bei Sillian
 

In Sillian versperrt eine weiße Wand mit Schneeschauern den Weiterflug nach Westen. Wir überlegen, ob wir in der Welle nach Nordosten Richtung Lienz oder nach Osten das Lesachtal und Gailtal entlang fliegen sollen. Da wir nicht sicher sind, wie weit die Schauer über den Hauptkamm übergreifen und ob Lienz frei ist, bleiben wir im Süden.

Sillian Sicht Richtung Osten
 

Aus der Welle fliegen wir mit Rückenwind zurück nach Westen. Am Beginn der Karawanken fallen wir in den Hangwind. Hier merken wir, dass der Wind stärker und nördlicher wird. Der Duo rennt und unser PDA zeigt einen Stundenschnitt von 160 km/h an. Am Hochobir setzen wir unsere Wende, da wir uns bei der großen Westkomponente den Sprung an die Petzen nicht trauen. Der Hinweg zur Petzen funktioniert wahrscheinlich, aber für den Rückweg mit Gegenwind ist uns das Risiko zu hoch. Nach der Wende geht es mit hoher Geschwindigkeit zurück. Doch am Mittagskogel merken wir, dass wir Höhe verloren haben. Wir nehmen schwaches Steigen am Hang nicht an und finden uns in 1400 m wieder. Nach mühsamem Suchen finden wir glücklicherweise 1 m/s laminares Steigen, was dem Hang sehr weit vorgelagert ist. Jetzt sehen wir an der leeseitigen Kondensation, dass der Wind voll auf West gedreht haben muss. Die tief stehende Sonne erschwert die Sicht nach Westen. Wir fliegen zurück nach Nötsch. In 200 m über Grund wird es windstill, was eine angenehme Landung ermöglicht. Ein toller Flug, bei dem wir gelernt haben, dass man auch mit großer Westkomponente Nordföhn fliegen kann! Am Abend reisen Roland und Natascha mit ihrer DG 600 an, um ebenfalls im Nordwind zu fliegen.

http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?dsId=4089043

Donnerstag, 23.10.2014

Hochmotiviert stehen wir um 6 Uhr in der früh auf. Heute soll der Wind genau aus Norden kommen. Der Plan für den Tag war möglichst bei Sonnenaufgang zu starten. Ich bin fast etwas froh, dass die Sonne um diese Jahreszeit nicht ganz so früh aufgeht. Aber leider regnet es. Normalerweise ist es untypisch, dass sich der Föhneffekt nicht durchsetzt und so viel Feuchte über den Hauptkamm geblasen wird. Also Warten wir mit dem Starten und nach dem Frühstücken gehen wir einen Kaffee trinken. Um 11 Uhr hört der Regen langsam auf. Wir machen die Flugzeuge startbereit, während die tiefen Wolken langsam verschwinden.

Um ca. 13 Uhr starten Jan und ich im Duo Discus. Roland startet kurz darauf in seiner DG 600. Später startete auch noch der Duo Discus aus dem ortsansässigen Verein. Da es in den Karawanken noch regnet, lassen wir uns nach Westen schleppen. Wir klinken am Oistring aus, finden dort trotz kräftigem Nordwind nur verwirbelte Luft am Hang. Ohne gute Steigwerte arbeiten wir uns mühsam Richtung Westen vor. Wir wollen unten nicht aus dem Hangwindniveau fallen und oben ist eine Wolkenschicht in ca. 2300 m.

Südseite des Gailtals
 

Von Benny bekommen wir wieder Informationen, wo Cosmo Wellen rechnet und Roland grüßt uns aus einer Welle in 3800 m per Funk. Mit Hilfe der beiden finden wir Mitten im Gailtal auch einen Welleneinstieg, wo die Wolkenschicht über uns aufgebrochen war. Wir können auf 4000 m steigen. Von 2000 bis 4000 m dreht der Wind von 300 auf 030 Grad und nimmt ordentlich an Stärke zu. Den Wellen scheint dies aber nichts auszumachen und wir erreichen einen integrierten Steigwert von 6,9 m/s. In 4000 m hat der Wind 130 km/h. Das LX 8000 zeigt sogar einen Spitzenwert von 150 km/h an. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht leewärts aus der Welle fallen und den vielen Wolken und Wolkenschichten rechtzeitig ausweichen. Die Wolkenschicht in 2300 m wandert zwar langsam nach Osten ab, trotzdem bleibt unsere Spielwiese durch die vielen anderen Wolken sehr beschränkt. In einer Welle fliegen wir ins Drautal Richtung Lienz. Obwohl wir 180 km/h auf dem Stau haben brauchen wir 11 Minuten für die Querung des Gailtals. Der Rückweg war dafür umso schneller.

In der Welle
Blick Richtung Osten

Sonnenuntergang querab Dobratsch
 

Der eindrucksvolle Flug endet mit einem spektakulären Sonnenuntergang.

http://www.onlinecontest.org/olc-2.0/gliding/flightinfo.html?dsId=4089264

Leider war für Jan und mich war hier unser Nordföhnausflug zu Ende. Wir fuhren noch am selben Abend zurück. Roland und Johannes Hausmann aus Nötsch nutzten den Freitag noch, um im schwächer werdenden Nordföhn zu fliegen.

Der Ausflug nach Nötsch hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wir konnten knapp 11 Stunden und insgesamt 800 km fliegen und wertvolle Erfahrungen im Wellenflug sammeln und bin mir sicher, dass das nicht der letzte Nordföhnausflug war. Vielen Dank an den Flugplatz Nötsch für die tolle Gastfreundschaft und vielen Dank an die SFG Werdenfels, dass ich den Duo Discus mitnehmen konnte!"

 

Ein toller Bericht, vielen Dank dafür! Vielleicht finden sich ja diesen Winter auch die ein oder anderen "Wellenjäger" bei Südföhn bei uns zuhause am Flugplatz in Pömetsried ein! :)

 

Zuletzt geändert: 
So, 2014-11-16 17:05