Werdenfelser Segelflieger

Kiritopib 2013, flying with the champions, week 1

Erster Tag,1. November

Wir sitzen startfertig in der ASH25Mi, Ulli Schwenk als mein Trainer hinten; Motor anlassen, Zündkreis-Check: ein Kreis arbeitet nicht. Zündkerze ist es nicht, also die Zündbox! Christian fährt nach Bitterwasser um eine Austausch-Zündbox, am Abend ist der Motor wieder eingebaut, Test: keine Änderung. Am nächsten Tag „müssen“ wir dann mit der ASH25EB28 von Bernd Dolba fliegen. Das Gleiten mit so einem Vogel ist schon ein Erlebnis! Es ist alles blau (Taupunkt bei minus 18 grd!), wir fliegen bis Mariental, die einzige grüne Oase weit und breit durch einen nahen Stausee mit Wasser – sonst sind über hunderte km nur völlig trockene Bachläufe zu sehen.
Abends hat dann Christian den Fehler gefunden: ein Flachstecker an einer Sicherung hatte sich gelöst – eine Arbeit von 10 Minuten. Ich verstehe allerdings nicht, dass es zulässig ist einen Zündkreis über eine Sicherung zu versorgen

3. November

Wir fliegen ein Dreieck 620km, wieder völlig blau aber gute Thermik; an der Aufzeichung kann man sehen, wie genau man Kurs fliegen kann, wenn man weder durch Geländeformationen noch Wolken abgelenkt ist!

4. November

Es sind Wolken angekündigt (die sich dann auch auf dem Weg nach Gobabis einstellen), daher 1000km angemeldet; der Flug geht ein gutes Stück nach Botswana hinein, was seit letztem Jahr legal ist; dies erweitert die Möglichkeiten gewaltig, weil dort oft die beste Wolkenthermik herrscht – nur Probleme sollte man dort keine bekommen, denn wenn man in Namibia immer irgendwo eine Farm finden kann, gibt es in Botswana absolut nichts! Am Rückflug gibt es noch ein highlight: ein Bart über 2800m mit Durchschnittssteigen von 5,8m/sek – die 1000km mit 141km/h sind gesichert.

5. November

Es sind Schauer angesagt, die sich dann auch prompt einstellen; wir haben aber noch andere Probleme: bei Geschwindigkeiten über ca. 140km/h beginnt es vorne am Rumpf durch irgendwelche Strömungsablösungen zu blubbern – mit solcher Lautstärke, daß der Logger dies als Motorgeräusch interpretiert und unsere Wertung beendet. Durch Abkleben der Schleppkupplungs-Öffnung und bessere Abdichtung des Haubenrahmens war dieser Effekt am nächsten Tag beseitigt.

6. November

Team-Wechsel: ich fliege mit Holger Karow in einem Arcus E; für dieses Wetter ein ideales Flugzeug. Extrem einfach zu bedienen und sehr schön zu fliegen. Nach dem Start in etwa 200m Motor aus und noch mehr als 90% Batterie-Kapazität. Heute geht es nach Westen, wo bis fast zur „Kante“ schöne Wolken zu sehen sind und dann nach Süden. Am Rückflug dann wollen diese Wolken plötzlich nicht mehr so richtig und am Boden sind Staubwalzen eines kräftigen Westwindes zu sehen, der offenbar die Bart-Entwicklung abtötet. Wir machen einen Schwenk nach Osten und können den 1000er problemlos abschließen.

7. November

Letzter Tag. Heute ist ein „Grand Prix“ über 460km angesagt; leider war unser Start nicht ganz optimal: wir sind 200m tiefer und fast eine Minute später als die anderen abgeflogen – jetzt heißt es aufholen. Es gibt einzeln Wolken und völlig überraschend sind wir als erste am Wendepunkt – auch Weltmeister können Fehler machen. Am Rückflug ist dann Janusc Centka (Polen) in einem Arkus M, der vor kurzem noch unter und hinter uns war, plötzlich auf gleicher Höhe etwa 500m vor uns; im Endanflug über 50km mit Tempo 220 war da nichts mehr aufzuholen.

Fazit

Wetter fast ideal, auch insofern, als es trotz teilweise sehr guter Thermik am Boden nicht zu heiß war; beim abendlichen Dinner im Freien war oft eine gute Jacke angesagt. In Kiripotib gibt es im Unterschied zu Bitterwasser keine Klimaanlagen (da nur über eine SWEAR (Eindraht-) Leitung versorgt), und da kann es nach einigen Tagen Afrika-Hitze aus dem Nord-Osten schon recht heftig werden.
​Fliegerisch hat mir diese Woche sicher viel gebracht, wenn natürlich auch nicht alles von einem Offene-Klasse Flieger in Namibia mit einem Weltmeister im Rücksitz auf einen Solo-18m-Vogel in Mitteleuropa direkt umsetzbar sein wird.

Oskar Tollich, 14.11.2013

 

Zuletzt geändert: 
Sa, 2013-11-23 22:23