Werdenfelser Segelflieger

DASSU Streckenfluglehrgang 2014

Vom 02.06. – 05.06.2014 hat Martin Peschke mit dem DuoDiscus ACM an einem Streckenfluglehrgang in Unterwössen teilgenommen.

1.Tag:

Im täglichen ausführlichen Wetterbriefing hat Lehrgangsleiter Jan Lyczywek auf mögliche Überentwicklungen, Abschirmungen und Schauer hingewiesen. Nach Betrachtung der Webcam am Pass Thurn hat ein Streckenflieger seinen Flieger vom F-Schlepp wieder zurück in die Halle geschoben. Mit meinem Trainer Hans-Peter Kunze bin ich dann auch den ganzen Tag auf der Flucht vor Abschirmung und Schauern gewesen.

Nachdem die Wetteroptik des klassischen Abflugs von Unterwössen in die Alpen über die Steinplatte Richtung Pinzgau oder Hochkönig wenig einladend aussieht, entscheiden wir uns über der Steinplatte, es im Alpenvorland Richtung Westen zu versuchen.

Nach dem Sprung über das Inntal fliegen wir bis Warngau. Aufgrund der auf allen Seiten entstehenden Abschirmungen setzen wir hier die Wende im Westen. Wir fliegen zurück Richtung Osten und probieren verschiedene Optionen aus. Am südlichen Ostufer des Chiemsees wagen wir noch einmal den Sprung nach Norden ins Flachland.

Am nördlichen Chiemsee haben wir ca. 240 Strecken-km auf der Uhr. Die 300 km wollen wir noch vollmachen. Also fliegen wir nach Süden und unter einer dunklen Wolkenstraße Richtung Bad Reichenhall vor. Von dort fliegen wir mit 180 km/h wieder Richtung Westen nach Grassau und dann schließlich zum Platz zurück.

 

Bei der OLC-Meldung haben wir festgestellt, dass wir unsere Anzahl an Schenkeln offensichtlich bereits ausgenutzt hatten. 

Der Tag endete mit einem sehr fundierten Wetterdebriefing durch Jan. Er verglich die Vorhersage von pc-met und Toptherm mit den im Flug tatsächlich vorgefundenen Verhältnissen. An den morgendlichen Briefings und Debriefings nach Flugbetrieb nahm auch eine Gruppe von 6 „Flachland-Fliegern“ mit dem Leiter der Fränkischen Fliegerschule Feuerstein, Michael Zistler, teil, die sich mit dem Alpenfliegen vertraut machen wollte.

Abends bekam der Duo einen gemütlichen Hallenplatz.

2. Tag:

Wettervorhersage wie am ersten Tag. Hans-Peter und ich versuchen unser Glück gleich im Flachland. Wir starten vor 2 ASK 21 und 2 LS 4, die jeweils in Dreier-Teams (je ein Doppelsitzer mit Trainer und ein Einsitzer) fliegen.

Wir fliegen in die alte Heimat des Duo nach Greiling, entscheiden uns dort dann für einen Weiterflug in nordwestliche Richtung, queren den Starnberger See in Höhe Roseninsel und fliegen bis Andechs. Ich sehe das erste Mal meine Heimat, das Isartal, von oben aus dem Segelflugzeug!  Bisher kannte ich diese Perspektive nur aus dem Motorflieger oder Ballon. Auf dem Rückweg Richtung Osten wählen wir eine weiter nördlich gelegene Route. Über Rosenheim sehen wir ein riesiges Schauergebiet stehen. Wir überlegen, es südlich durch die Berge auf kürzerem Weg zu umfliegen oder es auf einer nördlichen Route mit besserer Wetteroptik zu versuchen. Wir fliegen im Norden in Reichweite von Antersberg und Vogtareuth um den Schauer herum. Zurück in Unterwössen steht ein weiterer Schauer über dem Platz. Wir parken noch 1 h über Steinplatte und Zahmen Kaiser und landen mit den letzten Regentropfen.

Starnberger See, rechts oben die Roseninsel

Bildmitte Schäftlarn, rechts Icking, unten die A 95

Von links: Wolfratshausen mit Loisach, Golfplatz Bergkramerhof, A 95, Starnberger See

Der Schauer über Rosenheim versperrt den Heimweg. Links A 8, rechts Golfclub Valley

Regen über Unterwössen am linken Bildrand, unten Mitte Unterberghorn bei Kössen

Parken am Zahmen Kaiser

Das 1. Team ASK21/LS 4 sitzt in Brannenburg, das 2. Team in Geitau. Unsere Entscheidung für die Nordroute war richtig. Nach der Landung springe ich gleich in den Rückholer-Bus nach Geitau. Wir machen eine Hänger-Rallye über Tatzelwurm und Sudelfeld. Nach Scenic-Flight noch ein Scenic-Drive.

Rückholung in Geitau

3. Tag:

Heute versuchen wir es in den Alpen. Der Verein heißt ja schließlich nicht „Deutsche Voralpen-Segelflugschule Unterwössen“. Mit mir fliegen Jan als Trainer im Duo und Lars in einer LS 4. Wir fliegen den Standard-Abflug über Steinplatte, Loferer Steinberge, Steinernes Meer und dann über Hochkönig zum Dachstein und Grimming. Da Lars mit der LS 4 schlechter steigt, zieht Jan zu Übungszwecken für mich und psychologischer Unterstützung für Lars einige Male an der Basis die Klappen bis wir uns nach ein paar Steilkreisen 100 m unter Lars wieder einreihen und ich den Bart noch einmal kurbeln darf.

Teamflug mit Lars. Im Hintergrund der Watzmann.

Am Dachstein.

Jan erläutert regelmäßig Lars über Funk die Wahl unseres Flugwegs, benennt Berge, Orte, Flüsse und Täler, und zeigt uns Landewiesen. Sollte nur einer von uns absaufen, ist klar vereinbart, dass wir im Duo zuerst bei den Kühen sind. 

Wir haben gute Verhältnisse, für den Nachmittag sind allerdings Schauer vom Westen her angesagt. Wir wenden am Grimming und fliegen dieselbe Strecke zurück. Ab dem Pongau liegt der Rest der Strecke unter einer Abschirmung. Wir fliegen höhesparend vor und diskutieren schon mal die Optionen Leoganger Wiesen oder Zell am See. Am Hochkönig finden wir über dem vorgelagerten Wald noch einen Bart – unser Ticket nach Hause. Wir fliegen in 2.900 m Höhe ab, durchfliegen einen starken Schauer und kommen mit ausreichend Sicherheitshöhe nach Unterwössen zurück.

4. Tag:

Nutzbares Wetter ist erst für den Nachmittag vorhergesagt. Die DASSU darf aus Lärmschutzgründen zwischen 13 und 15 Uhr nicht schleppen, wir kämen also erst nach 15 Uhr weg. Nach dem Wetterbriefing analysiert Jan heute auch die gestrigen Flüge in SeeYou.

Wir rüsten den Duo ab und ich mache mich nachmittags auf den Heimweg.

 

Es waren 3 intensive und lehrreiche Tage. Wir sind trotz suboptimaler Wetterbedingungen 13 h und 800 Strecken-km im Duo geflogen. Ich habe viele nette Menschen kennen gelernt bzw. wieder getroffen. Vielen Dank an das Team der DASSU für die herzliche Aufnahme sowie an Jan für die äußerst fachkundige und sehr kurzweilige Durchführung des Lehrgangs. Prädikat: Pädagogisch besonders wertvoll! Und vielen Dank an Wolfgang, dass ich den Duo zum Lehrgang mitnehmen durfte.

Zuletzt geändert: 
So, 2014-06-22 17:01